Wahnsinn der U3-Verlängerung

Warum wir das Projekt ablehnen

Die Bürgerinitiative „Rettet den Mexikoplatz“ ist eine Gemeinschaft von engagierten Anwohnerinnen und Anwohnern aus Berlin-Zehlendorf. Wir setzen uns gegen die geplante Verlängerung der U-Bahnlinie U3 ein, weil Sie viel mehr Schaden als Nutzen bringt. Unser Anliegen ist es, die Natur, das Stadtbild und die Lebensqualität in unserem Viertel für alle Berlinerinnen und Berliner – und Besucher – zu bewahren.

Unsere Position

Wir stehen einer Verkehrswende und einer Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) äußerst positiv gegenüber. Doch der Ausbau der U3 ist in unseren Augen ein kostspieliges Prestigeprojekt des Berliner Senats und der BVG, das nicht den Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht und Klimaziele mit Füßen tritt. Stattdessen sollten öffentliche Mittel in die bestehende Infrastruktur fließen, um den ÖPNV nachhaltig, sinnvoll und zukunftsweisend auszubauen.

Fehlendes Verkehrskonzept – „Stummel-Bahn“ ohne Nutzen

Seit Langem wird eine schienen-gebundene Anbindung des Berliner Südwestens an die Wohngebiete im Zehlendorf Süden und die angrenzenden Brandenburger Gemeinden diskutiert. Dabei war stets klar, dass bei der Variante „Verlängerung U-Bahnlinie U3“ nur eine Anbindung bis zur Gemeinde Kleinmachnow diese Voraussetzungen erfüllt. Mit einer „Kurz-Verlängerung“ der U3 um nur einen Halt bleiben alle Probleme der fehlenden Anbindung bestehen. Die 300 Millionen Euro teure „Stummel-Bahn“ bis Mexikoplatz führt stattdessen in die Sackgasse.

Rückwärtsgewandtes Konzept: U-Bahn ist „out“

U-Bahnkonzepte stammen aus dem 19. Jahrhundert. Die meisten Verkehrs-Wissenschaftlerinnen und Experten räumen der U-Bahn heute hingegen keine Zukunft mehr im Rahmen eines ÖPNV-Konzeptes ein. Neben dem erheblichen Aufwand, den immensen Kosten, der langen Bauzeit, dem Eingriff in die Natur und der enormen Belastung der Bürger und jahrelangen Zerstörung der Kieze sind die nachteiligen Auswirkungen auf die CO2-Bilanz und das Klima unbestritten. Fazit: U-Bahn-Neubauprojekte sind „out“ – der Trend geht eindeutig zu Straßenbahnen und umweltfreundlichen Bussen. Elektrifiziert, leise und schon bald fahrerlos. Berlin hat sich bereits selbst verpflichtet, alle Busse bis 2030 mit umweltfreundlichen Antrieben auszustatten. Warum soll jetzt mit einem U-Bahn-Neubau eine Zeitreise zurück ins 19. Jahrhundert erfolgen? Hier muss der Blick nach vorne gerichtet werden.

Kaum zusätzliche Fahrgäste und ungeklärte Parkplatzsituation

Laut eigenen Prognosen von BVG und Senat bringt die Verlängerung der U3 nur rund 1.300 zusätzliche Fahrgäste pro Tag – das entspricht lediglich sechs Fahrgästen pro Zug. Die Zahlen zeigen, dass sich 90 Prozent der Fahrgäste lediglich vom Bus auf die U-Bahn verlagern würden, ohne dass eine echte Verbesserung der Verkehrssituation erreicht wird. Ein positives Ergebnis einer Nutzen- und Kosten-Abwägung ist hier nicht erkennbar. Schon die unabhängigen Gutachter und Autoren der offiziellen Nutzen-Kosten-Untersuchung hatten im ersten Ansatz der Betrachtung keinen überwiegenden Nutzen für das Projekt ermittelt. Ergebnis: Nutzen-Kosten-Indikator kleiner 1 . Demnach sind die Kosten höher als der Nutzen für die Allgemeinheit. Erst nach erneuter Anpassung der Grundannahmen wurde – auf Wunsch des Vorhabenträgers – ein höherer NKI ermittelt.

Jetzt (März 2025) kommen unabhängige Gutachter (Verkehrsplanungs-Büro Interlink, Berlin) nach umfangreicher Akteneinsicht und Nachberechnung der Nutzen-Kosten-Untersuchung in ihrem Bericht zu dem klaren Ergebnis: Der angebliche Nutzen des Projekts existiert nicht: Eine U3-Verlängerung verfügt über keinen Nutzen im Vergleich zu den Kosten. Der Nutzen-Kosten-Indikator liegt nur bei 0,5 anstatt – wie vom Vorhabenträger angegeben – bei 1,14.

Unberechenbar lange Bauzeit

Nach Angaben der BVG soll die Großbaustelle „5 Jahre“ benötigen – was schon eine gewaltig langdauernde Belastung bedeutet: Belastung für die Bürger und die Natur durch andauernden Lärm, Staub, Erschütterung und den großflächigen Grundwassereingriff. Insbesondere auch der Schlachtensee – unlängst als einer der schönsten städtischen Seen Europas prämiert – wird hier stark belastet. Die Giga-Baumaßnahme bedeutet eine Gefährdung der historischen Bausubstanz, einen Zerschneidungseffekt für unseren Lebensraum am Mexikoplatz und bringt eine unzumutbare zusätzliche Verkehrsbelastung durch die Umgehung der Baustelle auf den Nebenstraßen mit sich. Doch bei der „veröffentlichten“ Zeitplanung wird es nicht bleiben. Zum Vergleich: die Verlängerung der U5 in Berlin-Mitte sollte ebenfalls „4 oder 5 Jahre“ dauern; tatsächlich hat der Bau doppelt so lange: 10 Jahre benötigt, ein Alptraum für unseren Kiez am Mexikoplatz..

Wirtschaftlicher Wahnsinn und fehlende Kostentransparenz

Die Verlängerung der U3 über eine Strecke von 800 Metern soll nach Verlautbarung des Senates (Beschluss vom 13. Februar 2024) 103 Millionen Euro kosten (und das nur für das Vergleichsjahr 2016).

Tatsächlich liegen die Kosten laut unabhängigem Gutachter für das Indexjahr 2016 jedoch bei 170 Millionen Euro.

Bereits bei einer Informationsveranstaltung der BVG am 21. Januar 2025 musste die BVG einräumen:

1. Die Kostenangabe von 103 Millionen Euro ist mindestens acht Jahre alt und spiegelt den Stand von 2016 wider. Damit ist diese unrealistisch.

2. Die veraltete Kostenschätzung bezieht außerdem nicht den Ersatzneubau des Tunnels an der U3-Station Krumme Lanke (U-Bahn-Aufstellanlage) ein.

3. In der bisher veröffentlichten Kostenberechnung ist weiterhin nicht der Neubau der Aufstell- und Kehranlage in der Lindenthaler Allee enthalten.

Zusammenfassend sind alle bisher von der BVG kommunizierten Zahlen unrealistisch und idealisiert gerechnet. Expertinnen und Experten gehen von mindestens 300 Millionen Euro Baukosten für das Projekt bis 2030 aus. Geld, das an anderer Stelle dringend gebraucht wird. Sei es für schienengebundene Neuerschließungen stark verdichteter Wohngebiete in Berlin, sei es für Bildung, Schulen, Gesundheit und Polizei. Vor allem fehlen nun auch Mittel für die dringend benötigte Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Weiterhin absurd: Die 800 m kurze Strecke wird bereits durch eine schnelle und bequeme Busverbindung abgedeckt. Für 800 m neuer U-Bahn-Fahrstrecke muss darüber hinaus ein zusätzlicher 700 Meter langer Tunnel gebaut werden, um Züge abzustellen.

Ungesicherte Finanzierung – keine Förderung durch den Bund

Die anteilige Finanzierung des Projektes durch den Bund nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz ist nicht gegeben. In einer Stellungnahme des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages vom Januar 2025 wird nach Rücksprache mit der Bundesregierung bestätigt, dass die Voraussetzungen für Bundesfinanzhilfen gegenwärtig nicht gegeben sind. Die für die Zuwendung von Bundesmitteln erforderliche überwiegende Nutzen des Maßnahmen konnte in der standardisierten Nutzen-Kosten-Untersuchung nicht nachgewiesen  werden. Nach dem neuen Gutachten des Büro Interlink ist ein Nutzen nicht ansatzweise nachweisbar. Somit ist eine Förderung des Projektes durch den Bund ausgeschlossen

Unbequeme Umsteigeverbindung

Die aktuelle Busverbindung zwischen der U3-Endhaltestelle „Krumme Lanke“ und dem „S-Bahnhof Mexikoplatz“ dauert nur zwei Minuten. Mit der neuen U-Bahn-Verlängerung würde sich diese Zeit nur minimal verkürzen, während das Umsteigen unkomfortabel bleibt. Absurd zudem: Der neue U-Bahnhof Mexikoplatz soll baulich nicht in den bestehenden S-Bahnhof integriert werden, was für die Fahrgäste längere Wege und mehr Aufwand bedeutet.

Umweltzerstörung durch Baumfällungen und Grundwassereingriffe

Für den Bau müssen mindestens 175 Bäume, darunter teilweise Jahrhunderte alte Exemplare entlang der Alleen, gefällt werden. Diese Bäume sind für unser Stadtklima unverzichtbar: Sie reinigen die Luft, bieten Schatten und sind Lebensraum für viele Tiere. Ein radikaler Eingriff dieser Art wird das Wohngebiet dauerhaft schädigen und das Stadtbild unwiederbringlich verändern.

Verlust des historischen Stadtbildes

Der Mexikoplatz ist ein historisches Juwel Berlins und wird durch den Bau des neuen U-Bahnhofs erheblich beeinträchtigt. Die geplanten Bauarbeiten drohen das denkmalgeschützte Ensemble zu zerstören und das Stadtbild für viele Jahre zu beeinträchtigen. Lärm, Staub und Verkehr werden das Viertel für mindestens 10 Jahre belasten und die Lebensqualität für Anwohner, Besucher, Kunden und alle Erholungsuchenden drastisch verringern.

Unser Fazit

  • Nutzen und Kosten der geplanten U3-Verlängerung stehen völlig außer Verhältnis.
  • Die U3-Verlängerung hat den Charakter eines Prestige-Projektes.
  • Die immensen Investitionen rauben dem Senat den Spielraum – in lange versprochenen Projekte – etwa Wohnungsbau – zu investieren.
  • Die U3-Verlängerung zerstört die Natur, beschädigt das historische Stadtbild und wird auf lange Zeit eine unzumutbare und schwerwiegende Belastung und Beeinträchtigung unseres Kiezes verursachen.

Wir fordern daher den Berliner Senat und die BVG auf, die weitere Planung des Projekts umgehend zu stoppen!